Atypische Netznutzung: Wie Unternehmen ihre Netzentgelte drastisch reduzieren können

Was ist atypische Netznutzung und warum gibt es sie?
Der ökonomische Vorteil
Kriterien der Bundesnetzagentur: Wann ist eine Netznutzung „atypisch“?
- 1.
Die Erheblichkeitsschwelle : Die Höchstlast innerhalb der Hochlastzeitfenster muss um einen bestimmten Prozentsatz niedriger sein als die absolute Jahreshöchstlast. Dieser Wert hängt von der Netzebene ab: - •
Niederspannung (NS): mindestens 30 % Abweichung - •
Mittelspannung (MS): mindestens 20 % Abweichung - •
Hochspannung (HS): mindestens 10 % Abweichung
- •
- 2.
Die Mindestverlagerung : Die absolute Differenz zwischen der Jahreshöchstlast und der Höchstlast im Hochlastzeitfenster muss mindestens 100 kW betragen. - 3.
Die Bagatellgrenze Die rechnerische Ersparnis durch das individuelle Netzentgelt muss mindestens 500 Euro pro Jahr betragen.
Was sind Hochlastzeitfenster (HLZF)? Jedes Jahr ermitteln die Netzbetreiber auf Basis der Netzlast des Vorjahres spezifische Zeitfenster für Frühling, Sommer, Herbst und Winter, in denen das Netz besonders stark belastet war. Diese werden auf den Websites der Betreiber veröffentlicht und dienen als Basis für das aktuelle Jahr. Wochenenden, Feiertage und die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind grundsätzlich von diesen Fenstern ausgeschlossen.
Wege zur atypischen Netznutzung: Wie lässt sich das umsetzen?
- •
Lastverschiebung (Load Shifting) Verschiebbare Prozesse (z. B. das Laden von Elektrofahrzeugen, der Betrieb von Kühlanlagen, thermische Prozesse oder bestimmte Produktionsschritte) werden gezielt in Zeiten außerhalb der Hochlastzeitfenster verlegt. - •
Zusätzliche Lasten antizyklisch nutzen Neue Großverbraucher (z. B. eine neue Maschine oder Wärmepumpe) werden bewusst so gesteuert, dass sie nie während der Hochlastzeitfenster laufen. Damit steigt zwar die Gesamthöchstlast außerhalb der HLZF, die Last innerhalb der HLZF bleibt jedoch konstant – was den prozentualen Abstand (die Erheblichkeit) vergrößert. - •
Batteriespeicher zur Lastspitzenkappung (Peak Shaving) Ein gewerblicher Batteriespeicher ist das flexibelste Werkzeug. Er wird außerhalb der Hochlastfenster mit günstigem Netzstrom (oder eigenem PV-Strom) geladen. Sobald ein Hochlastzeitfenster beginnt, speist der Akku Strom ins Werksnetz ein. Dadurch wird die aus dem öffentlichen Netz bezogene Leistung gedeckelt (gekappt), ohne dass Produktion oder Betrieb eingeschränkt werden müssen
Achtung: Das Risiko der „One-Strike“-Regel
Die kritische Schwelle Wenn Ihr Unternehmen während der Hochlastzeitfenster auch nur ein einziges Mal eine zu hohe Lastspitze aus dem Netz zieht (gemessen als 15-Minuten-Mittelwert), gilt dieser Wert als neue Höchstlast für das gesamte Kalenderjahr. Ein einziger unachtsamer Moment, wie z. B. das gleichzeitige Anfahren zweier Maschinen während eines HLZF im Dezember, kann die atypische Netznutzung für das gesamte Jahr zunichte machen. Die Ersparnis von mehreren zehntausend Euro ist damit augenblicklich verloren.
Fallbeispiel: Ein medizinisches Labor rechnet nach
Ausgangslage des Kunden:
- •
Branche: Medizinisches Labor - •
Jahresstromverbrauch: ca. 2,5 GWh (2.500.000 kWh) - •
Jahreshöchstlast (außerhalb HLZF): 500 kW - •
Anschlussnetzebene: Mittelspannung (MS). Damit gilt eine Erheblichkeitsschwelle von 20 % und eine mindestverlagerung von 100 kW
Ausgangslage
Konzept & Lösung

Wirtschaftliche Berechnung
- •
Jahreshöchstlast: 500 kW - •
Höchstlast im Hochlastzeitfenster (HLZF): 270 kW - •
Verlagerte Leistung (Delta): 500 kW - 270 kW = 230 kW - •
Prüfung der BNetzA-Kriterien: - •
Erheblichkeitsschwelle: 230kW/500kW = 46% (Erforderlich: 20%) Erfüllt! - •
Mindestverlagerung: 230kW (Erforderlich: 100kW) Erfüllt!
- •
Wie stromify Sie unterstützen kann
- 1.
Potentialanalyse (Lumo Insight): Über unseren standardisierten ESA-Prozess rufen wir Ihre historischen Lastgangdaten direkt beim Messstellenbetreiber ab. Wir analysieren Ihren Lastgang und berechnen exakt, ob und in welchem Umfang Ihr Unternehmen die Kriterien für eine atypische Netznutzung erfüllt. - 2.
Konzepterstellung & Technologie (Lumo Innovation / Lumo Efficiency): Wir zeigen Ihnen, ob Sie das Ziel rein durch Lastverschiebung erreichen können oder ob sich die Installation eines Batteriespeichers wirtschaftlich lohnt. Wir dimensionieren den Speicher optimal und planen das System als Ihr Sicherheitsnetz. - 3.
Regulatorische Abwicklung (Lumo Efficiency): Wir übernehmen die komplette Anmeldung und Abstimmung mit dem zuständigen Netzbetreiber, inklusive der Prüfung auf rückwirkende Anerkennungen für bereits vergangene Zeiträume. Bei Rückfragen gehen wir für Sie in die Klärung. - 4.
Dauerhaftes Monitoring & Rechnungsprüfung (Lumo Control): Über unsere Plattform Lumo überwachen wir Ihren Lastgang fortlaufend, um Lastüberschreitungen in den Hochlastzeitfenstern proaktiv zu verhindern. Nach Ablauf des Jahres prüfen wir Ihre Netzentgeltrechnungen akribisch auf die korrekte Abrechnung der vereinbarten Sonderkonditionen.