Woher kommt dieser KMU-Aufschlag? Die 4 Hauptursachen
Warum gelingt es kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland nicht, ähnlich gute Konditionen wie die Industrie zu erzielen? Eine Hypothese liegt auf der Hand: Marktintransparenz und ein erschwerter Marktzugang für KMU. Konkret lassen sich vier wesentliche Probleme identifizieren:
1. Kein Zugang zu Profi-Produkten
Große Industrieunternehmen beschaffen ihren Strom selten zu starren Festpreisen. Sie nutzen strukturierte Beschaffungsmodelle (z. B. Tranchenprodukte oder eine direkte Kopplung an den Spotmarkt/EPEX Spot), um Preisrisiken zu streuen und von Marktchancen zu profitieren. Für KMUs sind diese Produkte bei klassischen Versorgern oft gar nicht verfügbar. Die Anbieter scheuen den administrativen Aufwand und stufen diese Modelle für kleinere Abnahmemengen als „zu komplex“ ein. KMUs verbleiben so in starren, teuren Festpreisverträgen.
2. Das fehlende „Check24“ für Gewerbestrom
Für Haushaltsstrom gibt es etablierte Vergleichsportale, auf denen Verbraucher mit drei Klicks den günstigsten Anbieter finden. Im B2B-Bereich existiert ein solches transparentes System nicht. Wer als Unternehmen Strompreise vergleichen will, muss bei dutzenden Versorgern individuelle Angebote einholen. Diese Angebote basieren dann auf unterschiedlichen Vertragsklauseln, Netzkosten-Regelungen und Laufzeiten, was einen direkten, einfachen Vergleich nahezu unmöglich macht.
3. Die Marge der Mittelsmänner
Wegen der hohen Komplexität und der fehlenden Vergleichbarkeit sind KMUs häufig auf die Unterstützung von Energiemaklern und anderen Vermittlern angewiesen. Das Problem: Viele dieser Makler arbeiten auf Provisionsbasis. Sie streichen bei erfolgreichem Vertragsabschluss eine Marge ein, die oft unbemerkt über den Strompreis an den Versorger abgewickelt und somit direkt auf die KMU-Stromrechnung aufgeschlagen wird. Diese intransparenten Kosten treiben den Strompreis für das Unternehmen weiter in die Höhe.
4. Fehlende interne Ressourcen und Fachexpertise
Ein Großkonzern leistet sich ein eigenes Team aus Energieeinkäufern, die den Markt täglich beobachten und Verträge optimieren. Im Mittelstand gibt es diese Rolle schlicht nicht. Die Energiebeschaffung wird vom Geschäftsführer, dem CFO oder der Einkaufsleitung „nebenbei“ erledigt. Ohne die notwendigen Tools, Zeit und energiewirtschaftliche Expertise ist es unmöglich, den optimalen Einkaufszeitpunkt abzupassen oder komplexe Netznutzungsmodelle zu bewerten.