Energiekosten im Hotel: Warum die Abrechnung meist teurer ist, als sie sein müsste

In den vergangenen Wochen haben wir mit Hotelgruppen an der Ostsee, am Bodensee, im Harz und in mehreren Großstädten gesprochen. Die Ausgangslage war überall ähnlich. Die Potenziale auch.

Simon Zöller
Simon Zöller
Energiekosten im Hotel: Warum die Abrechnung meist teurer ist, als sie sein müsste

Wellnessbereich, Klimatisierung, Küche, Wäscherei, Tagungstechnik: Kaum eine Branche hat so viele stromintensive Bereiche unter einem Dach wie die Hotellerie. Und kaum eine Branche spürt gestiegene Energiepreise so direkt auf der Monatsabrechnung.

Jeder weiß: hier geht es um viel Geld

Dass die Energieversorgung viel Geld kostet, ist in keinem Hotel ein Geheimnis. Doch regelmäßig stellt sich die Frage, wer sich mit dem Thema auseinandersetzen soll. Hoteldirektor*innen sollen den Fokus auf den Gast legen, auf Auslastung, Personal und Qualität. Wie soll man da noch nebenbei zum Strommarkt-Experten werden, Lastgänge lesen und eine Beschaffungsstrategie für sein Haus definieren?

Für die Praxis bedeutet das in der Regel: Der Vertrag läuft aus, der bisherige Versorger oder ein Berater wird angerufen, es gibt ein Angebot, es wird unterschrieben. Bis zum nächsten Auslaufen bleibt das Thema liegen. Das ist völlig verständlich.

Es bedeutet aber auch, dass pro Haus und Jahr oft ein fünfstelliger Betrag unangetastet bleibt. In unseren Standortanalysen für zwei mittelgroße Häuser lag das Gesamtpotenzial zuletzt bei rund 22.000 Euro Einsparung pro Jahr. Realisierbar allein durch Vertrag- und Netzkostensteuerung; ohne Umbau oder Komfortverzicht.

Vier Hebel, die wir in Hotels immer wieder finden

1. Energie strategisch einkaufen statt nur verlängern

Bei vielen Hotels existieren Verträge mit automatischer Verlängerung. Wer sich nicht rechtzeitig kümmert, bleibt oft auf zu hohen Kosten hängen.

Gerade jetzt, wo die Marktpreise auf einem absoluten Hoch stehen und die gesamte Gesellschaft über Gasspeicherfüllstände spricht, ist es wichtig, bedacht und vorsichtig zu agieren. Fixpreisverträge sind nur dann die richtige Wahl, wenn sie preislich attraktiv sind. Es gibt Alternativen.

Dynamische Spotverträge bieten zwar keine Planungssicherheit, wirken aber bei Hotels mit starken Sommerverbräuchen häufig positiv, weil der Verbrauch genau dann hoch ist, wenn Strom an der Börse durch die Solareinspeisung günstig ist. Insbesondere als Zwischenlösung sind sie oft die bessere Wahl, um handlungsfähig zu bleiben.

Auch Kombinationen aus beidem oder ein gestaffelter Energieeinkauf in Tranchen, vergleichbar mit einem ETF-Sparplan, sind Strategien, die betrachtet werden sollten.

2. Photovoltaik rechnet sich in der Hotellerie besonders gut

Hotels haben eine Eigenschaft, die für PV ideal ist: Sie verbrauchen tagsüber, das ganze Jahr über, auch am Wochenende. Genau dann, wenn die Sonne scheint. Der erzeugte Strom wird deshalb fast vollständig im eigenen Haus verbraucht. In unseren Simulationen liegt die Eigennutzungsquote regelmäßig bei 95 bis 98 Prozent. Ein Batteriespeicher ist dafür gar nicht nötig. Das Ergebnis: Die Autarkie steigt auf über 20 Prozent, die Anlage amortisiert sich in sechs bis sieben Jahren, und bei weiter steigenden Strompreisen entsprechend schneller.

Die größten Hürden sind dabei selten wirtschaftlicher Natur, sondern praktischer: Reicht die Dachfläche? Steht das Gebäude unter Denkmalschutz oder liegt es in einem Welterbe-Ensemble? Beides lässt sich klären, bevor jemand einen Cent ausgibt.

3. Leistungsspitzen sind teuer

Auf der Stromrechnung stehen nicht nur Kilowattstunden. Der Netzbetreiber berechnet zusätzlich die höchste Leistung, die das Haus in irgendeiner Viertelstunde des Jahres gleichzeitig abgerufen hat. Ein einziger Moment prägt damit die Netzkosten des ganzen Jahres.

Im Hotel entsteht so eine Spitze zum Beispiel an einem heißen Nachmittag im Juli, wenn Kältemaschinen, Wäschetrockner und Warmwasserbereitung gleichzeitig anspringen. Diese Geräte müssen aber gar nicht gleichzeitig laufen. Mit einfachen, nachrangigen Schaltsequenzen lässt sich der Verbrauch zeitlich entzerren, ohne dass der Gast etwas davon merkt. Potenzielle Einsparungen von bis zu 5.000 Euro pro Jahr sehen wir dabei regelmäßig.

4. Aktive Korrektur von Rechnungspositionen bringt vierstellige Effekte

Nicht jeder Energieversorger stellt Abrechnungspositionen richtig ein. Netzentgelte, Umlagen und Steuern werden einmal hinterlegt und laufen dann jahrelang weiter, ohne dass jemand hinschaut. Es lohnt sich, mit Fachwissen auf die Rechnungen zu schauen und Einsparpotenziale insbesondere bei den Netzkosten zu identifizieren.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Haus wurde beim Netzbetreiber in einer Preisklasse für über 2.500 Benutzungsstunden geführt, obwohl der tatsächliche Netzbezug darunter lag. Die Korrektur bringt rund 2.600 Euro pro Jahr. Solche Effekte sind nicht spektakulär, aber sie summieren sich und kosten nichts, außer einmal genau hinzusehen.

Kettenstruktur, individuelle Marken: der Bündelungseffekt

Viele Hotelgruppen treten nach außen mit eigenständigen Häusern und Marken auf, haben im Hintergrund aber eine gemeinsame Asset-Management- oder Betreiberstruktur. Energetisch ist das ein Vorteil, der selten genutzt wird: Die Bündelung mehrerer Häuser kann mit einem strukturierten Einkauf erhebliche Preisvorteile mit sich bringen und den internen Verwaltungsaufwand deutlich reduzieren. Dazu benötigt es jedoch eine umfassende Analyse über alle Standorte hinweg, um Zusammenhänge zu verstehen und das gesamte Potenzial zu ermitteln.

Die Lösung: Ein Standortbericht

Mit einem Standortbericht können wir eine 360°-Sicht auf Ihre aktuellen Kosten und alle Potenziale werfen. Die häufigste Sorge, die wir dabei hören: "Wie aufwendig ist das für uns?" Die Antwort: eine halbe Stunde.

Für einen vollständigen Standortbericht benötigen wir nur drei Dinge:

  1. Den aktuellen Strom- und Gasvertrag
  2. Die letzten drei Monatsabrechnungen oder eine Jahresabrechnung
  3. Den Lastgang, also die viertelstündliche Verbrauchsmessung für ein Jahr

Den Lastgang liefert der Versorger auf Anfrage in wenigen Minuten. Wenn nicht, beschaffen wir ihn per Vollmacht selbst innerhalb von zwei Tagen. 48 Stunden nach Eingang der Unterlagen liegt der Bericht vor. Anschließend gehen wir diesen in 30 bis 60 Minuten gemeinsam durch.

Sie erfahren alle Potenziale, die spezifisch für das jeweilige Haus und unter Berücksichtigung von Skaleneffekte über mehrere Häuser möglich sind. Der Standortbericht ist der Einstieg und die Grundlage für unser Leistungsportfolio. Entlang unserer Produktkette Efficiency, Control und Innovation heben wir für Sie dauerhaft jede Einsparung, schaffen ein übergreifendes, tagesaktuelles Controlling über alle Häuser und helfen Ihnen so, kosteneffizient autarker zu werden.

Fazit: Der Anfang ist schnell gemacht

Der erste Schritt ist nicht teuer, sondern einfach: Transparenz schaffen und nicht denken, man müsse alles alleine durchdenken. stromify ist genau dafür gegründet worden, Unternehmen wie Ihrem zu helfen, Energiekosten zu sparen. Unabgängig, digital und transparent.

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