Woher kommen die Zahlen auf meiner Stromrechnung?

Stromeinkauf und Energiepreise Teil 1

Heiko Teiken
Heiko Teiken
Woher kommen die Zahlen auf meiner Stromrechnung?

Mit unserer fünfteiligen Serie zum Thema Energiepreise und Stromeinkauf für Unternehmen möchten wir Ihnen fundiertes Wissen an die Hand geben, damit Sie verstehen, wie Sie Ihren Strompreis optimieren können. In unserem ersten Teil gehen wir darauf ein, wie sich der Strompreis für Unternehmen grundsätzlich zusammensetzt und welche Beschaffungsstrategien allgemein zur Verfügung stehen.**

Für viele kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland wirkt der Strompreis wie eine feste Größe, die einmal jährlich neu verhandelt wird. Tatsächlich ist der Strompreis für Unternehmen hochdynamisch – und bietet erhebliches Einsparpotenzial. Lassen Sie uns gemeinsam hinter die Kulissen dieses komplexen Ökosystems aus Produzenten und Konsumenten schauen. Denn nur wer die Spielregeln dieses Marktes versteht, kann **Energiekosten **von einer fixen Belastung in eine steuerbare **Variable **verwandeln.

In unserer neuen Blog-Reihe zu Energiepreisen erklären wir Ihnen:

  • Welche Preismodelle für Energieverträge existieren, und welche Vor- und Nachteile haben sie?
  • Wann sollte ein Unternehmen welches Preismodell wählen? Und warum gibt es keine Standardlösung für alle?
  • Wie kann sich ein Unternehmen dauerhaft günstigere Preise zu sichern?

1. Der Marktplatz: Wo Angebot und Nachfrage den Energiepreis bestimmen

Stellen Sie sich die **Strombörse **(wie die EPEX SPOT oder EEX) als einen Marktplatz vor. Hinter dem Marktstand stehen die Erzeuger (Kraftwerksbetreiber, Windparkbesitzer) und Händler, die überschüssige Mengen verkaufen. Auf der anderen Seite stehen Sie als Einkäufer (Energieversorger und Industriebetriebe). Gemeinsam verständigen Sie sich im Rahmen Ihres Handelns auf einen Preis. Dabei haben beide Seiten unterschiedliche Bedürfnisse, die über zwei zentrale Handelswege bedient werden:

  1. Den Terminmarkt (langfristige Planung)
  2. Den Spotmarkt (kurzfristiger Ausgleich)

Das Zusammenspiel beider Märkte entscheidet darüber, wie hoch Ihr tatsächlicher Energiepreis ist.

2. Der Terminmarkt (Futures): Planungssicherheit für Unternehmen durch Weitblick

Der Terminmarkt ist das Instrument für die langfristige Planung. Hier wird Strom für die Zukunft gehandelt – für den nächsten Monat, das nächste Quartal oder sogar die nächsten Jahre. Diese langfristige Perspektive hat Vorteile für beide Seiten:

Der Produzent erhält Planungssicherheit. Er weiß heute schon, zu welchem Preis er seinen Strom in zwei Jahren verkaufen wird, und kann vorausschauend Investitionen in seine Erzeugungskapazitäten planen.

Ihr Unternehmen als Verbraucher sichert sich gegen Preissprünge ab. Sie kaufen heute eine feste Energiemenge für die Zukunft und eliminieren das Risiko unvorhersehbarer Marktschwankungen. Damit sind Investitionen und Preise zukunftssicher planbar.

Als Standardprodukte können zwei unterschiedliche Verträge gehandelt werden:

  1. Base: die konstante Grundlast über 24 Stunden
  2. Peak: die erhöhte Nachfrage in den Kernarbeitszeiten, z. B. zwischen 8:00 und 20:00 Uhr

3. Der Spotmarkt: Einsparpotenziale durch flexible Beschaffung

Nicht jeder Strombedarf lässt sich Jahre im Voraus exakt planen. Hier kommt der Spotmarkt ins Spiel. Er dient dem kurzfristigen Ausgleich. Wichtige Mechanismen sind:

  • **Day-Ahead **steht für die Verhandlung des Strompreises für jede einzelne Stunde des morgigen Tages.
  • **Intraday **steht für extrem kurzfristig Verhandlungen – teilweise bis zu fünf Minuten vor der Lieferung. Wenn die Sonne stärker scheint als gedacht oder eine Maschine im Werk ausfällt, wird entsprechend nachjustiert.

Der Spotmarkt spiegelt also die aktuelle Knappheit oder Überverfügbarkeit wider. Er ist volatiler als der Terminmarkt und bietet damit enorme Chancen und Einsparpotenziale, da der eigene Verbrauch flexibel gesteuert werden kann.

4. Wie entsteht nun daraus Ihr tatsächlicher Strompreis?

Für ein Unternehmen setzt sich der Strompreis aus der Kombination beider Welten zusammen. Ein klassischer Liefervertrag ist oft nichts anderes als ein Paket, bei dem der Lieferant das Risiko am Terminmarkt für Sie absichert und die Abweichungen über den Spotmarkt glättet.

Verschiedene Arten von Lieferverträgen - auf die wir in den nächsten Teilen unserer Serie weiter eingehen werden - unterscheiden sich vor allem dadurch, wie viel Risiko Sie als Unternehmen zu tragen bereit sind und wie viel Risiko der Lieferant übernimmt.

  • Bei einem **Fixpreisvertrag **übernimmt der Lieferant praktisch das gesamte Risiko.
  • Bei einem vollständig dynamischen Spot-Preis Vertrag trägt Ihr Unternehmen den Großteil des Preisrisikos.
  • Dazwischen gibt es ein breites Spektrum an hybriden Varianten.

Die Herausforderung ist, dass Standardverträge mit Lieferanten Risikoaufschläge für das Risiko des Lieferanten enthalten. Der erste Schritt zur Optimierung ist daher, zu verstehen, welcher Teil Ihres Verbrauchs über langfristige "Sicherheitskäufe" (Futures) abgedeckt werden sollte und wo es sich lohnt, die Dynamik des Spotmarktes für sich zu nutzen.

Fazit: Den einen Strompreis gibt es nicht

Es gibt nicht "den einen" Strompreis. Es gibt aber einen Mix aus der für Sie passenden Sicherheit (Terminmarkt) und Flexibilität (Spotmarkt). Wer diese Balance strategisch steuert, kann seine Energiekosten nachhaltig senken.

In nächsten Teil dieser Reihe konzentrieren wir uns auf die Spotpreis-Beschaffung. Erfahren Sie, wie Sie durch kluges Timing und Verbrauchssteuerung direkt von den Börsenpreisen profitieren können.