Energiepreisentwicklung für Unternehmen: Historische Analyse & Ausblick 2025

Wie Energiekrise, Netzentgelte und politische Maßnahmen die Stromkosten im Mittelstand verändert haben.

Matthias Mohr
Abstraktes Bild, welches einen Aufwärtstrend symbolisiert.

Historische Strompreise für Unternehmen (2005 - 2025): Entwicklung, Ursache und Prognosen

Die historischen Strompreise für Unternehmen in Deutschland zeigen seit den frühen 2000er Jahren einen deutlichen Aufwärtstrend – mit einem historischen Höchststand während der Energiekrise 2022/2023.

Der dargestellte Preisverlauf bezieht sich exemplarisch auf ein Unternehmen mit:

  • Stromverbrauch: 160.000 kWh pro Jahr

  • Anschluss: Mittelspannung

  • Standort: Deutschland

Unternehmen in dieser Verbrauchsgruppe sind typischerweise Gewerbe- oder Produktionsbetriebe mit signifikantem Energiebedarf.

Strompreisentwicklung

Strompreisentwicklung

Zusammenfassung der Strompreisentwicklung

  • 2000-2010: Moderater Anstieg durch Einführung neuer Umlagen

  • 2010-2020: Wachsende Abgaben und Netzentgelte treiben Preise [*]

  • 2021-2023: Energiekrise mit massivem Preissprung

  • Seit 2023: Politische Entlastungsmaßnahmen und Marktberuhigung

Einige Treiber des Energiepreises können von Unternehmen nur bedingt beeinflusst werden. Dafür gibt es Teilweise erhebliche Einflussmöglichkeiten auf die Beschaffungs- und Vertriebskosten.

Hintergrund der Entwicklung

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Strompreise in Deutschland deutlich gestiegen. Insbesondere bedingt durch die Energiekosten und staatlichen Preisbestandteile.

Entwicklung des Strompreises im Detail

2000 - 2010: Moderater Anstieg durch neue Umlagen

Zu Beginn der 2000er Jahre stiegen die Strompreise moderat an. Hauptgründe waren:

  • Einführung der Stromsteuer (Ökosteuer) 1999

  • Erste energiepolitische Umlagen

Im Jahr 2000 lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis noch bei rund 14 ct/kWh[*].

2010 - 2015: Wachsende Abgaben trotz sinkender Börsenpreise

In den 2010er Jahren erhöhte sich der Strompreis weiter, obwohl die Beschaffungskosten an der Strombörse zeitweise sanken. Grund war der sogenannte Merit-Order-Effekt: Erneuerbare Energien verdrängten teure Kraftwerke aus der Einsatzreihenfolge – senkten also Börsenpreise –, während gleichzeitig Umlagen stiegen. [*]

Für Unternehmen war also der Energieanteil nicht das Hauptproblem, sondern steigende staatliche Preisbestandteile und Netzentgelte.

2015 - 2021: Stabiler Energiemarkt, steigende Gesamtkosten

Zwischen 2015 und 2021 stieg der durchschnittliche Strompreis von ~29,6 ct/kWh auf ~32,8 ct/kWh. Die Energiekosten blieben relativ stabil, doch folgende Faktoren verteuerten Strom weiter:

  • EEG-Umlage (Anstieg von 2,05 ct/kWh in 2010 auf 6,88 ct/kWh in 2017)

  • Netzentgelte

  • KWK-Umlage

  • §19-Netzentgeltumlage

  • Offshore-Haftungsumlage

  • Netzkosten

Für mittelständische Unternehmen waren diese Bestandteile zunehmend kostenrelevant. Die Stromsteuer blieb seit 2003 hingegen konstant bei 2,05 ct/kWh[*].

2021–2023: Energiekrise und historische Höchstpreise

Ab 2021 kam es zu einem sprunghaften Preisanstieg. Hauptursachen waren die Explosion der Großhandelsstrompreise infolge drastisch verteuerter Brennstoffe (v.a. Erdgas) und geringerer Erzeugungskapazitäten. Der russische Überfall auf die Ukraine Anfang 2022 und die daraus resultierende Gasknappheit trieben die Börsenstrompreise auf Rekordwerte[*]

Da am Großhandelsmarkt immer das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis bestimmt (häufig Gaskraftwerke), führte der hohe Gaspreis zu extremen Strompreisen[*]. Im Jahr 2022 schnellte der durchschnittliche Haushaltsstrompreis auf bis zu 46–47 ct/kWh, ~40 % mehr als im Vorjahr[*]. Insbesondere die Beschaffungskosten stiegen dramatisch – laut Daten fast auf das Dreifache des Vorjahreswertes.

Gleichzeitig wurden manche Abgaben reduziert: Die EEG-Umlage wurde Mitte 2022 auf 0 gesetzt (und ab 2023 ganz abgeschafft), was den Anstieg des Endpreises leicht dämpfte. Dennoch waren die Jahre 2022/23 von historisch beispiellosen Strompreisniveau geprägt, was private wie gewerbliche Verbraucher stark belastete.

Ab 2022: Entlastung durch die Politik

Um Verbraucher zu entlasten, griff die Politik ab 2022 ein. Neben der Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli 2022 wurde Anfang 2023 eine Strompreisbremse eingeführt (Details siehe Abschnitt „Zukunft & Reformen“), die extreme Preise oberhalb eines Deckels durch staatliche Zuschüsse abfederte. Zudem sank ab Herbst 2022 der Gaspreis wieder etwas, was sich auch auf die Strombörsenpreise auswirkte.

Dies alles dämpfte den Preisanstieg, konnte jedoch das historisch hohe Niveau nicht vollständig kompensieren.

Seit 2023: Entspannung der Energiemärkte

Im Verlauf von 2023 entspannten sich die Energiemärkte etwas. 2023 sanken die Großhandelspreise deutlich von 200 €/MWh in 2022 auf unter 100 €/MWh[*]. Dadurch gingen auch die Beschaffungskosten für Stromversorger zurück. Gleichzeitig ist die EEG-Umlage komplett entfallen, was den Block der Steuern und Umlagen deutlich reduzierte. Allerdings stiegen mancherorts die Netzentgelte weiter an.

Für 2025 wird ein durchschnittlicher Haushaltsstrompreis von ca. 37–40 ct/kWh erwartet, je nach Verbrauch und Tarif. Damit liegen die Preise zwar unter dem Krisenhoch, aber weiterhin deutlich über dem Niveau vor 2021.

Was beeinflusst den Strompreis für Unternehmen?

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:

  1. 1.

    Beschaffung & Vertrieb

  2. 2.

    Netzentgelte

  3. 3.

    Steuern & Umlagen

  4. 4.

    Konzessionsabgabe

Beeinflussbare Faktoren für Unternehmen
  • Einkaufsstrategie (Tranchenmodell vs. Vollversorgung)

  • Lastgangoptimierung

  • Eigenerzeugung (z. B. PV-Anlage)

  • Netznutzung / Leistungspreise

  • Energieeffizienzmaßnahmen

Fazit: Historische Strompreise zeigen strukturellen Anstieg

Die Strompreise in Deutschland sind langfristig deutlich gestiegen – beschleunigt von einer extremen Krisenphase 2022/23.

Für Unternehmen bedeutet das:

  • Energiekosten bleiben ein strategischer Wettbewerbsfaktor

  • Professionelle Beschaffung gewinnt an Bedeutung

  • Eigenerzeugung & Flexibilisierung werden wirtschaftlich attraktiver

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