Welchen Einfluss die Strombörse auf Ihren Strompreis hat

Der Strompreis für Gewerbe- und Industriekunden wird wesentlich durch die Großhandelspreise an der Strombörse bestimmt.

Matthias Mohr

Die Strombörse verstehen: Spotmarkt und Terminmarkt im Überblick für Unternehmen

Viele mittelständische Unternehmen stehen vor der Frage, wie Strompreise entstehen und wie sie ihre Energie langfristig planbar einkaufen können. Ein Blick auf die Strombörse hilft, Beschaffungsstrategien zu verstehen und Kosten zu optimieren.

In Europa existiert ein liberalisierter Strommarkt mit verschiedenen Handelsplätzen. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen dem Spotmarkt (Kurzfristhandel für sofortige bzw. kurzfristige Lieferung) und dem Terminmarkt (langfristige Geschäfte für zukünftige Lieferungen):

Europäischer Strommarkt – Überblick

Europäischer Strommarkt – Überblick

Dieses Wissen ist besonders relevant für Unternehmen, die ihre Strombeschaffung strategisch steuern, Risiken reduzieren und Budgets sichern möchten.

Der Spotmarkt: Strom kurzfristig einkaufen

Der Spotmarkt dient dem Handel von Strom für den unmittelbaren, sehr kurzfristigen Bedarf– überwiegend für den nächsten Tag oder sogar innerhalb des laufenden Tages. Der zentrale Handelsplatz ist die europäische Strombörse EPEX Spot in Paris. Deutschland bildet dabei eine gemeinsame Preiszone mit Luxemburg und ist mit vielen europäischen Märkten gekoppelt.

Am Spotmarkt treffen Angebot und Nachfrage direkt aufeinander; Händler kaufen und verkaufen Strom „just in time“ zu aktuellen Marktpreisen. Für Unternehmen ist der Spotmarkt wichtig, weil er kurzfristige Preisbewegungen sichtbar macht und die Beschaffungskosten beeinflusst.

Es gibt zwei Hauptsegmente:

Day-Ahead-Markt

Beim Day-Ahead-Handel findet täglich eine Auktion für die Lieferung am Folgetag statt. Dabei wird jede Stunde bzw. Viertelstunde des nächsten Tages versteigert. Marktteilnehmer geben bis 12 Uhr mittags des Vortags Gebote ab, und die Börse ermittelt einen Markträumungspreis für jede Stunde des kommenden Tages. Dieser einheitliche Preis pro Zeitraum gilt für alle akzeptierten Gebote. Die Grundlage bildet das Merit-Order-Prinzip: Das teuerste Gebot, das zur Deckung der Nachfrage noch zum Zuge kommt, bestimmt den Preis für alle.

Intraday-Markt

Der Intraday-Markt ermöglicht den Handel laufend bis kurz vor der Lieferzeit (in Deutschland bis 5 Minuten vor der jeweiligen Viertelstunde). Ab 15:00 Uhr des Vortages können Händler kontinuierlich Strom in 15-Minuten-, Stunden- oder Blockkontrakten kaufen und verkaufen, um kurzfristige Prognoseabweichungen auszugleichen.

Der Intraday-Markt bietet zudem die Flexibilität, um z.B. auf plötzliche Wetteränderungen (Wind, Sonne) oder Kraftwerksausfälle zu reagieren und ist rund um die Uhr geöffnet. Besonders bei einem hohem Anteil an erneuerbaren Energien gewinnt dieser Markt an Bedeutung.

Der Terminmarkt: Strompreise langfristig sichern

Während der Spotmarkt kurzfristige Preise abbildet, dient der Terminmarkt durch den Handel von Stromlieferverträgen, die weiter in der Zukunft liegen – von wenigen Tagen über Monate bis zu mehreren Jahren im Voraus- der Planungssicherheit im Energieeinkauf.

Der wichtigste Handelsplatz ist die EEX (European Energy Exchange) in Leipzig. Unternehmen nutzen die Terminmarktprodukte (Futures), um sich langfristig Preis- und Budgetsicherheit zu verschaffen. Typische Terminmarktprodukte sind Monats-, Quartals- und Jahres-Futures auf Baseload (Grundlaststrom für alle Stunden) oder Peakload (Spitzenlaststrom werktags zwischen 8–20 Uhr).

So kann sich ein Unternehmen beispielsweise heute schon Strom für das nächste Jahr zu einem festen Preis sichern. Deshalb wird am Terminmarkt deutlich mehr Volumen gehandelt als am Spotmarkt.

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