Zukunftssichere Ladeinfrastruktur mit 50.000 € Förderung für ein Autohaus

stromify konnte für ein mittelständiges Autohaus 400 kW Schnellladeleistung am 160 kW-Netzanschluss realisieren, dabei 50.000 € Fördermittel sichern und bis zu 26.000 €/Jahr an Netzentgelt-Peaks einsparen.

Heiko Teiken

tl;dr - Kurzzusammenfassung

Branche: Mittelständischer Automobilhandel & Servicebetrieb (Autohaus-Gruppe)

Flottengröße / Bestand: Ca. 200 teil- und vollelektrische Fahrzeuge im aktiven Bestand & Kundenumschlag.

Technische Ausgangslage: Begrenzte Netzkapazität (160 kW); PV-Anlage mit nur ca. 50 % Eigenverbrauchsquote.

Herausforderung: Steigender Ladebedarf bei Probefahrten und Fahrzeugübergaben drohte das Netz zu überlasten und extreme Leistungsspitzen-Kosten (Leistungspreis-Netzentgelte) auszulösen.

Ganzheitliche stromify-Lösung: Zurückstellen der Beschaffungsoptimierung bis zur Etablierung des neuen Lastprofils. Technische Beratung, Ausschreibung von Speicher-Ladesystemen, Fördermittelakquise und anschließend dynamische Energiebeschaffung.

Kundenergebnis

  • 50.000 € Direktförderung über die BMM-Breitenförderung.

  • 400 kW DC-Schnellladeleistung trotz Beschränkung auf den bestehenden 160 kW Hausanschluss

    (Vermeidung von 6-stelligen Netzausbau-Kosten).

  • Vermeidung von 8.000 € bis 31.000 €/Jahr an zusätzlichen Leistungspreis-Netzentgelten durch integrierte Batterie-Pufferung (max. ca. 5.000 €/Jahr verbleibende Peak-Kosten).

  • Signifikante Steigerung der PV-Eigenverbrauchsquote durch direkte Zwischenspeicherung von Solarstrom für die Fahrzeugflotte.

Ausgangslage & Problemstellung

Die Flotte wächst, doch die Ladeinfrastruktur stößt an ihre Grenzen

Zu Beginn drehten sich die Gespräche mit unserem lediglich Kunden darum, die laufenden Stromversorgungsverträge zu überprüfen und Strom neu einzukaufen. Im Rahmen der initialen Potenzial- und Zielanalyse stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Betrieb vor einer grundlegenden strukturellen Veränderung stand: Der Bestand an Elektro- und Hybridfahrzeugen war bereits auf ca. 200 Fahrzeuge angewachsen. Die bestehende Wechselstrom-Ladeinfrastruktur (AC) stieß an ihre Kapazitätsgrenzen, was zu langen Standzeiten führte und Vertriebs- sowie Serviceprozesse (z. B. spontane Probefahrten, voll geladene Kundenübergaben) ausbremste.

Das Autohaus plante daher die Installation einer halböffentlichen DC-Schnellladeinfrastruktur für Kunden, Besucher und den eigenen Fuhrpark.

Technische & wirtschaftliche Herausforderungen

  1. 1.

    Begrenzte Netzanschlussleistung (160 kW): Der bestehende Netzanschluss des Autohauses war auf 160 kW ausgelegt. Die Errichtung konventioneller High-Power-Charger (HPC) mit bis zu 400 kW Ladeleistung hätte einen extrem teuren und zeitaufwendigen Netz- und Trafostationsausbau erfordert.

  2. 2.

    Drohende Netzentgelt-Kostenfalle: Bei ungepufferten Laden von mehreren Fahrzeugen gleichzeitig entstehen massive Leistungsspitzen (Peak Demand). In der Mittel- bzw. Niederspannung führt dies zu drastischen Erhöhungen des jährlichen Leistungspreises. Eine klassische HPC-Installation ohne Speicher hätte die jährlichen Netzentgeltkosten um mindestens 8.000 € bis hinzu zu 31.000 € pro Jahr in die Höhe getrieben.

  3. 3.

    Ungenutztes PV-Potenzial: Auf den Dächern des Autohauses befand sich bereits eine Photovoltaikanlage. Diese lief jedoch nur zu ca. 50 % in der Eigennutzung. Die übrigen 50 % wurden zu ineffizienten Konditionen in das öffentliche Netz eingespeist.

Der stromify Lösungsansatz

Erst Infrastruktur klären, dann Energie einkaufen

Eine reine Optimierung der Strombeschaffung auf Basis historischer Verbrauchsdaten hätte das zukünftige Lastprofil des Autohauses völlig verfehlt. Stromify schlug daher ein strategisches, zweiphasiges Vorgehen vor:

Phase 1: Infrastruktur & Laststeuerung

Gemeinsame Machbarkeitsanalyse, Technologieauswahl, herstellerunabhängige Ausschreibung und Fördermittelbeantragung für eine netz- und speichergepufferte Ladeinfrastruktur.

Phase 2: Dynamische Strombeschaffung

Nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der Ladeinfrastruktur wird das veränderte Lastprofil über die stromify-Plattform Lumo transparent erfasst und der Energieeinkauf mit Blick nach vorne maßgeschneidert optimiert.

5 Meilensteine des Projekts

Meilenstein 1: Analyse der Ausgangslage & PV-Einspeisung

stromify analysierte die bestehenden Lastgangdaten und die Erzeugungsprofile der PV-Anlage. Dabei wurde transparent aufgedeckt, wie sich Erzeugungsspitzen der Solaranlage und Verbrauchsspitzen des Werkstatt- und Verkaufsbetriebs überlagerten. Es zeigt sich ein signifikantes und nicht triviales Potential: Die (wirtschaftlich ineffiziente) PV-Einspeisung lässt sich drastisch reduzieren indem der Solarstrom direkt in die Fahrzeug-Akkus bzw. einen Puffer-Akku geleitet wird.

Meilenstein 2: Technologieauswahl

High-Performance Laden mit Pufferspeicher

Anstelle herkömmlicher Schnellladesäulen entschied sich das Projektteam für ein innovatives Konzept: einen gepufferten Power Hub 400 mit Dispenser-Einheiten.

  • Integrierter Batteriespeicher (z. B. 92–189 kWh Pufferkapazität): Der Speicher nimmt kontinuierlich Strom aus dem Netz (innerhalb der 160 kW-Grenze) sowie Überschussstrom aus der PV-Anlage auf.

  • Peak-Shaving-Effekt: Wenn Fahrzeuge mit bis zu 400 kW Schnellladeleistung geladen werden, liefert die Batterie den Großteil der benötigten Leistung. Die Netzlast bleibt konstant niedrig.

  • Wirtschaftlicher Effekt: Die zusätzlichen Leistungspreis-Kosten werden von maximal 31.000 €/Jahr auf

    maximal 5.000 €/Jahr gedeckelt

    .

Schritt 3: Markt-Ausschreibung & Anbieterauswahl

stromify übernahm die herstellerunabhängige Ausschreibung bei qualifizierten Anbietern und Generalunternehmern. In einer detaillierten Nutzwert- und Wirtschaftlichkeitsanalyse wurden Festpreise, Betriebskosten, Garantie-Bedingungen und Service-Level-Agreements (SLAs) verglichen.

Ergebnis: Entscheidung für den wirtschaftlichsten und technisch ausgereiftesten Anbieter, der das Komplettpaket aus Hardware, Tiefbau, Installation und Störungs-SLA (≤ 24h) mit einem Preisvorteil von über 160.000 € gegenüber Alternativangeboten realisierte.

Schritt 4: Fördermittelakquise

50.000 € Investment-Zuschuss

Zur Maximierung der Wirtschaftlichkeit begleitete stromify den Kunden durch das Förderprogramm "Betriebliches Mobilitätsmanagement" (BMM-Breitenförderung) des Bundesamtes für Logistik und Mobilität (BALM / BMV). stromify erstellte das technische Konzept, die Nachweise zur KMU-Konformität sowie den Zeit- und Maßnahmenplan.

Ergebnis: Erfolgreicher Bewilligungsbescheid mit einer Förderquote / einem Zuschuss von bis zu 50.000 EUR für die Investitionskosten.

Schritt 5: Finalisierung der Umsetzungsplanung

Mit Vorliegen des Förderbescheids wurde der finale Rollout-Fahrplan über ca. 25 Wochen aufgesetzt:

  1. 1.

    Tiefbau, Fundamentierung & Kabelverlegung

  2. 2.

    Elektroinstallation & Einbindung der PV-Anlage

  3. 3.

    Lieferung von Power Hub & Dispensern

  4. 4.

    Inbetriebnahme, Backend-Anbindung & Abnahme

Ausblick: Dynamische Energieversorgung über Energieplattform

Nach Abschluss der Installation wird die neue Ladesäuleninfrastruktur in den Wirkbetrieb überführt. Über die stromify eigene Energieplattform Lumo und den automatisierten Messstellen-Datenaustausch (Energieserviceanbieter) werden die Echtzeit-Lastgänge kontinuierlich ausgelesen.

Auf dieser verlässlichen Datenbasis schreibt stromify in Phase 2 die Stromversorgungsverträge des Autohauses neu am Markt aus. Durch die geglättete Lastkurve und das Zusammenspiel aus PV-Eigenverbrauch, Batteriepuffer und dynamischen Stromtarifen sichert sich das Autohaus langfristig planbare und minimale Energiekosten per Kilowattstunde.

Möchten Sie prüfen, ob der Aufbau einer Ladeinfrastruktur an Ihrem Standort Sinn macht oder Ihre bestehende Ladeinfrastruktur Optimierungspotential aufweist?

Stromify analysiert Ihre individuelle Energiesituation kostenfrei und führt Sie anschließend durch den gesamten Prozess.